Ahnungslos im ON: Wenn die Überwachungskamera zum Sicherheitsrisiko wird | Vorsicht Verbrechen SWR

Videos aus Wohnungen ahnungsloser Besitzer von Überwachungskameras oder von Kunden in Geschäften landen im Internet. Wir geben Tipps, wie man Überwachung durch die eigene Kamera stoppt.

Dieses Video ist eine Auskopplung aus der Sendung „Vorsicht Verbrechen“ vom 6. Oktober 2020, die komplette Sendung steht in der ARD-Meditahek zur Verfügung unter:
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Auf einer russischen Website sind die Übertragungen von bis zu 16.000 Überwachungskameras aus der ganzen Welt zu sehen – auch aus Deutschland. Meist wissen die Betroffenen nicht, dass sie im Internet öffentlich zu sehen sind.

Die Übertragung der Bilder ist möglich, weil viele private Überwachungskameras nicht mit einem eigens vergebenen Passwort geschützt sind. Dadurch kann im Prinzip jeder auf die Kameras zugreifen, auch die russische Internetseite. Dort werden die Aufnahmen gestreamt und können weltweit von jedem Internetnutzer angesehen werden. Einige Kameramodelle können die Nutzer sogar aktiv steuern, beispielsweise den Winkel verändern oder in das Bild hineinzoomen. Über 600 Einstellungsmöglichkeiten haben diese Kameras, weiß Dr. Norbert Weinhold. Er warnt davor, dass mit den Kameras sensible Daten gewonnen werden können, die unter anderem Verbrechern in die Hände spielen – zum Beispiel wenn die Überwachungskameras im Kassenbereich von Geschäften angebracht sind. Mit seinem Verein Wakeupinternet kämpft Weinhold gegen den Missbrauch von Daten.
Auf der russischen Seite können die Nutzer außerdem die Kameras nach Ländern, Regionen und sogar einzelnen Städten filtern. So können sehr spezifische Daten gesammelt werden.

Wer ist betroffen?
Unter den einsehbaren Bildern sind Übertragungen aus Gärten, Bauernhöfen, und Handwerksbetrieben, aber auch aus sehr privaten Räumen wie Wohnzimmern oder vom Gelände eines Kindergartens. Prinzipiell können alle ungesicherten Kameras auf der Webseite auftauchen.

Auf der Seite wird auch der Hersteller der Kameras vermerkt. Häufig wird dort die Pfälzer Firma Mobotix genannt. Dort weiß man um die Problematik und gibt an, die Sicherheitslücke bei neuen Geräten vor drei Jahren geschlossen zu haben. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte der Kamerabesitzer das Gerät einfach mit dem werksseitig voreingestellten Passwort in Betrieb nehmen, weshalb die Bilder leicht zugänglich waren. Diese Geräte seien es auch,deren Bilder noch immer gestreamt werden. Inzwischen müsse der Kameranutzer das Passwort bereits bei der Inbetriebnahme ändern, um so den ungewollten Zugriff auf die Kamera zu verhindern.

Wie sieht die Rechtslage aus?
Auch wenn die ungefragte Verbreitung der Videos unangebracht erscheint, ist sie laut Sebastian Gorski, Anwalt für Medienrecht, nicht grundsätzlich verboten. Solange die Kameras nicht passwortgeschützt seien, müsse man keine technischen Hürden überwinden, um auf die Videos zuzugreifen. Deshalb sehe er keine Rechtswidrigkeit darin, die Daten weiterzuverbreiten, so der Anwalt.

Wer haftet für die Videos?
Völlig unproblematisch ist die Weiterverbreitung der Daten aber auf keinen Fall. Gerade bei der Übertragung aus Schulen und Kindergärten, also immer dann, wenn Kinder zu sehen sind, ist eine Einwilligung der Eltern zwingend erforderlich. Diese Einwilligung muss in der Regel explizit schriftlich erfolgen – eine bloße Mitteilung des Kindergartens oder der Schule an die Eltern genügt nicht.
Andernfalls sind die Betreiber der Kamera, also Schule oder Kindergarten, für die Verbreitung der Videos auch gegenüber den Eltern haftbar.
Generell dürfen private Überwachungskameras nur auf dem eigenen Grundstück verwendet werden. Die Öffentlichkeit, also zum Beispiel die Straße vor dem Haus, zu überwachen ist nicht erlaubt, da hierdurch die Persönlichkeitsrechte Dritter verletzt werden.

Wie kann ich mich vor der Überwachung schützen?

Um zu verhindern, dass die Bilder der privaten Kamera im Netz landen, raten Experten, die Überwachungskamera von einem Fachbetrieb installieren zu lassen.

Außerdem sollten Verbraucher in jedem Fall das Standard-Passwort des Herstellers gegen ein eigenes, sicheres Passwort tauschen.

Einige Hersteller bieten als weiteren Schutz auch eine sogenannte Zwei-Faktor-Authentifikation an, von der die Nutzer in jedem Fall Gebrauch machen sollten.

Es ist ebenfalls ratsam immer zu kontrollieren, dass die Software der Kamera auf dem neuesten Stand ist.

Die Experten empfehlen außerdem darauf zu achten, dass die aufgezeichneten Videos nicht länger als 24 Stunden gespeichert werden.

Bildquelle: Colourbox
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